Warum Facebook die WhatsApp braucht

von | Feb 25, 2014 | Allgemein | 2 Kommentare

Warum Facebook die WhatsApp braucht | Titelbild

Ein Dollar für jeden Nutzer?

Die kürzliche Übernahme der WhatsApp an Facebook sorgt für viele unterschiedliche Informationen und wirft die Frage auf: „Warum Facebook die WhatsApp braucht?„. Die Verbindungsprobleme des SMS-Ersatzes WhatsApp, mit in Deutschland ca. 30 Millionen Nutzern, bereitete gestern vielen Menschen Unmut. Böse Zungen wettern direkt, dass es mit der Übernahme der Daten an Facebook zu tun hat und fordern, dass ein milliardenschwerer Konzern so was schon besser hin bekommen sollten. Die Wahrheit scheint denkbar einfach. Der Datentransfer der WhatsApp Server auf die Facebook Server wurde schlicht nicht gut genug geplant?

Schwer zu glauben und auch nicht sehr wahrscheinlich. Was die Ausfälle wirklich verursacht, wird wohl Facebooks Geheimnis bleiben. Warum WhatsApp für Facebook jedoch 19 Milliarden Dollar wert ist, wollen wir einmal genauer betrachten.

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UPDATE

Die von WhatsApp versprochene Verschlüsselung wirkt sich rein auf die manuell ausgewählten Chats und deren Nachrichten aus. Die Kontakte werden weiterhin unverschlüsselt an Facebook übertragen und hier mit den Nutzerprofilen abgeglichen. Dies stellt einen Verstoß gegen das BDSG da und Haftung übernimmt der Endnutzer, also Sie selbst.

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Ein Gigant im Überlebenskampf

Facebook hat bereits seit dem seinem Börsengang mit rückläufigen Nutzerzahlen zu kämpfen. Das Verlangen der Nutzer nach mehr Privatsphäre, ist dem Konzern ebenso ein Dorn im Auge. Jede Information über einen Nutzer ist für den Werbeertrag bares Geld. Das funktioniert ganz einfach, wenn ich den Namen einer Person weiß, kann ich sie ansprechen, wenn ich das Gesicht kenne, kann ich sie identifizieren, wenn ich das Geschlecht kenne, kann ich sie kategorisieren und wenn ich das Alter kenne, kann ich sie ganz gezielt bewerben.

Facebook geht einen Schritt weiter. Es kann darüber hinaus Aussagen über die sozialen Beziehungen zu ähnlich gesinnten Menschen herstellen und ebenso in deren Namen Empfehlungen aussprechen. Ja genau, Facebook benutzt deine Nutzerdaten um in deinem Namen, deinen Freunden etwas zu empfehlen – ohne dein Wissen. Diese Form des Missbrauchs persönlicher Daten reicht aber seit kurzem nicht mehr, um einen Werbeertrag von 43 Milliarden Dollar pro Jahresquartal zu erzielen.

Ein neuer Treibstoff

Die WhatsApp hat in nahezu jedem Smartphone oder Tablet eines Benutzers Zugriff auf die Fotos, Videos und natürlich die Nachrichten. Was die WhatsApp aber ebenfalls hat, ist Zugriff auf das gesamten Adressbuch. Dadurch liegen auf den WhatsApp Servern die exakten Informationen über Mobilnummer, Name, Anruflisten, SMS, verknüpfte Kontakte, etc. In einem Smartphone werden alle Kommunikationen egal welcher App mit dem Kontakt verknüpft. Das bietet für uns den Vorteil, das PUSH-Nachrichten personalisiert angezeigt werden und wir immer genau wissen mit wem wir gerade sprechen oder schreiben.

Diese Daten haben wir alle freiwillig auf die WhatsApp Server gelegt und uns damit einverstanden gezeigt, dass WhatsApp diese Daten benutzen darf. Ein Weiterverkauf eingeschlossen! Genau das ist für Facebook wundervoll, nun gibt es endlich die Möglichkeit ohne die Einwilligung des Nutzers die Freundesliste mit den Telefonkontakten, die Foto- und Videoalben mit den Fotos und Videos auf dem Smartphone und die SMS und WhatsApp Nachrichten mit den Facebooknachrichten abzugleichen. Somit entsteht eine fast vollkommene Transparenz über dich als Benutzer. Jetzt kann man nicht nur in deinem Namen Dinge in Facebook empfehlen, sondern endlich dein gesamtes Kommunikationsprofil an Werbetreibende weiterverkaufen.

Warum sollte mich das interessieren?

Ein berechtigte Frage, mit der Antwort „Profiling„. Die Geheimdienste dieser Welt betreiben diese Technik seit Jahrzehnten um Profile potentiell gefährlicher Menschen zu erstellen. Wenn man so paranoid wie die NSA und die USA ist, kann man schnell ein paar Worte hier und da aufschnappen und Alarm schlagen. Die NSA hat übrigens vollen Zugriff auf alle Daten die auf Facebook Servern liegen und das ständig. So sieht es der Patriot-Act zum Schutz vor Terrorismus vor.

Dich (uns) sollte das interessieren, weil wir mit der Weitergabe unserer Kontaktdaten in unseren Adressbüchern, das Gesetz brechen! Als deutsche Bürger sind wir verpflichtet personenbezogene Daten zu schützen und nicht ohne die schriftliche Einverständniserklärung der Person(en) an Dritte weiterzugeben. Genau das machen wir aber wenn wir die WhatsApp benutzen, besonders jetzt wo Facebook diese Daten gewinnbringend anlegt.

Kann ich mich wehren?

Zurück geht nicht mehr! Mit dem Löschen des WhatsApp Accounts werden nur die Daten vom Telefon gelöscht und der Account auf dem Server. Die Nachrichten, Fotos, etc. verbleiben weiter auf den Servern. Da Facebook sich diese bereits geholt hat, kann man nur noch verhindern, dass nicht noch mehr Daten an Facebook geraten. Um sich in Zukunft vor solchen Dingen zu schützen, empfehlen wir die Nutzung von End-to-End verschlüsselten Diensten. Telegram ist hier eine perfekte Alternative zu WhatsApp und ebenfalls kostenlos. Hier wird eine vollständige Verschlüsselung aller Daten garantiert und somit werden an keinen Server brauchbare Informationen für Datenkraken und paranoide Geheimdienste hinterlegt.

Um das Geschäft mit unseren Daten besser zu verstehen und etwas Einfluss auf den Eigenwert auszuüben, müssen wir nur auf die Zugriffsanfragen achten, welche unser iPhone von sich gibt, wenn wir neue Apps installieren. Jede App die Zugriff auf die Kontakte will, kann der Hersteller irgendwann verkaufen. Wenn Sie verschlüsselt sind, dann nicht. Es ist keine Hexerei, diese Thematik zu verstehen, sondern verlangt nur Verantwortung für das eigene Handeln. Mehr nicht!